Review

Sherlock Holmes: Crimes & Punishments

Nach "Das Geheimnis der Mumie", "Das Geheimnis des silbernen Ohrrings", "Die Spur der Erwachten", "Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin", "Das Geheimnis des persischen Teppichs" und "Sherlock Holmes jagt Jack the Ripper", haben die Entwickler Frogwares das Gameplay komplett überarbeitet.

Übersicht

Fälle

Wir befinden und in London im 19. Jahrhundert, als es noch keinen Strom gab und man sich mittels Kutsche oder Eisenbahn fortbewegte. Anstatt einen Fall zu lösen, der womöglich künstlich in die Länge gezogen wird, gibt es bei diesem Spiel sechs Fälle. Nach einem jeweils actionreichen Beginn, benötigt man um die zwei Stunden um zu einer Lösung zu kommen. Das ergibt eine Durchspielzeit von zwölf Stunden.

Auflistung aller Fälle:

  • Bei „Der Schwarze Peter“ stellt sich die Frage, wer den pensionierten Seemann mit einem Alkoholproblem mit einer Harpune aufgespießt hat. Vor allem, ob der Täter einen Helfer hatte und was das Motiv ist.
  • Bei „Das Rätsel auf den Gleisen“ muss man herausfinden, wie sich ein Personenzug plötzlich in Luft auflösen konnte und wohin er verschwunden ist. Erst durch das Motiv kann man auf die Täter kommen. Am Ende kann man sich entscheiden, ob man die Gruppe durch die Justiz oder eine einzelne Person verurteilen lässt.
  • Bei „Das Blutbad“ wird ein Archäologe im Dampfbad tot aufgefunden. Hier stellt sich die Frage, wer von den vier Personen, die sich zu dieser Zeit mit ihm entspannt haben, der Mörder ist und warum.
  • Bei „Die Affäre Abbey Grange“ sieht alles nach einem Raubüberfall mit Todesfolge aus. Doch dann kommen Unstimmigkeiten ans Licht.
  • Beim „Das Drama von Kew Garden“ ist der Direktor plötzlich verstorben. Hatte er wirklich einen Herzinfarkt, oder lag es daran, dass er bei seinen Mitarbeitern unbeliebt war.
  • Bei „Schüsse bei Mondlicht“ werden zwei Leichen in der Nacht gefunden. Der einzige Zeuge verstrickt sich in Widersprüche.

Ablauf

Ein Fall beginnt meistens damit, dass man sich mit den betroffenen Personen unterhält. Dazu macht man vorher eine Charakteranalyse. Die läuft so ab, dass man den gesamten Körper mit dem Mauszeiger abfährt und wenn er blau leuchtet, eine wichtige Info gespeichert wird. So wird genau geschaut, ob im Gesicht oder an den Händen Verletzungen gefunden werden, oder ob es sonst Auffälligkeiten wie Schmuck und Manschettenknöpfe gibt. Danach kann man ihnen alle vorgegebenen Fragen stellen. Wenn sie eine falsche Behauptung aufstellen, muss man schnell den angezeigten Knopf drücken und dann aus vorgegebenen Antworten die aussuchen, die die Behauptung entkräftigt. Wenn man sie falsch beantwortet, kann man es nochmals versuchen. Es kann auch sein, das die richtige Antwort noch nicht dabei ist, weil man noch nicht die passende Entdeckung gemacht hat.

Nach dem Gespräch kann man sich am Schauplatz umsehen, wobei bei allen Gegenständen, mit denen interagiert werden kann, ein Hinweis erscheint. Dabei können auch Sherlock Holmes Talente eingesetzt werden. So kann man mit einem Tastendruck einschalten, dass kleinere Spuren sofort ins Auge springen, indem sie gelb leuchten. Weiters kann Holmes auch in die Vergangenheit blicken, um zu erkennen, was vorher an einer bestimmten Stelle war. Manchmal tauchen an einem Ort mehrere Wörter auf, sodass man auch daraus Schlüsse ziehen kann. Genau aus diesem Grund gibt es ein Herleitungsmenü. Hier muss man zwei Beweise miteinander kombinieren, sodass ein Punkt in Holmes‘ Gehirn erscheint. Mehrere Punkte werden über Synapsen verbunden, wenn man zwischen einer oder zwei möglichen Schlüssen wählt. Trifft man zwei konträre Annahmen, färbt sich der Punkt rot. Am Ende hat man so einen Täter mit einem Motiv.

Dann kann man den Fall abschließen und sich ansehen – wenn man möchte – ob die Behauptung richtig war. Zusätzlich wählt man ob der Täter erhängt oder begnadigt wird – zwei sehr extreme Möglichkeiten, die aber nur Auswirkung auf den Charakterrang haben (neutral, gutherzig). Danach folgt eine Schlusssequenz. Der Überführte versucht gelegentlich sich mit seiner Waffe aus der Zwickmühle zu befreien. Dies muss in einem Quicktime-Event verhindert werden. Sollte dies nicht gelingen folgt ein anderes Ende.

Im Notizbuch ist eine Liste mit Aufgaben, die automatisch aktualisiert wird und über die Karte kann man zu den verschiedenen Orten reisen. Weiters werden Beweise, Dokumente, Dialoge, Souvenirs, Echos und Charakterportraits gespeichert und beinhalten auch Erklärungen und Hinweise.

Es gibt auch kleinere Rätsel, die sich aber überspringen lassen. Leider werden die Anleitungen nur kurz eingeblendet, sodass man erst durch Probieren draufkommt, was zu tun ist. Meistens handelt es sich darum Schlösser zu knacken. Dazu muss man die verschiedenen Teile so drehen, dass eine durchgängige Linie zu erkennen ist. Zu Beginn noch eher einfach, nimmt die Schwierigkeit langsam zu. Öfter muss man auch die Teile eines Gegenstandes, das nur anhand eines Umrisses zu erkennen ist, an die richtige Position verschieben. Manchmal muss man den potentiellen Ablauf nachmachen um zu erkennen, ob es so überhaupt möglich gewesen wäre. So muss man beispielsweise mit einer Harpune ein Schwein aufspießen.

Interessant ist es auch den Ablauf der Tat festzustellen. Dazu sieht man Schemen, die sich bewegen und man wählt sie in der Reihenfolge aus, in der man denkt, dass sie stattgefunden hat. Auch müssen Holmes und Watson zusammenarbeiten um die Hebel in der richtigen Reihenfolge zu betätigen. Es gibt auch Geschicklichkeitsübungen wie über eine Brücke balancieren oder eine Wand hinaufklettern.

Schauplätze

Es gibt eine überschaubare Anzahl an Orten, die besucht werden können und auch nicht groß sind. Fast immer dabei ist die Baker Street, die Wohnung von Sherlock Holmes und Watson, sowie Scotland Yard.

In der Baker Street hat man ein Archiv, wo man in Enzyklopädien und Zeitungen nach Informationen zu einem bestimmten Fall suchen kann. Diese sind thematisch sortiert und deshalb ist es nicht allzu schwierig etwas zu einem vorgegebenen Thema zu finden. Dann gibt es einen Analysetisch, wo man Dinge durchs Mikroskop betrachten und mit chemischen Flüßigkeiten hantieren kann. Im Schlafzimmer befindet sich ein Kleiderschrank, um sich bei zwei Situationen passen anziehen zu können. Am Kamin findet man Briefe von den verhafteten Kriminellen. Man kann von dem Zimmer auch ein Kind zu sich rufen, das ein wenig Recherche übernimmt und auch Toby, der Hund kann mitgenommen werden. Am Tatort kann dieser eine Spur erschnüffeln.

In Scotland Yard kann man mit den Gefangenen sprechen und deren persönliche Sachen untersuchen. Die Reihenfolge der zu untersuchenden Orte kann beliebig gewählt werden. Nur wenn man etwas übersieht, muss man mehrere Ladezeiten in Kauf nehmen um an alle Orten zurückzukehren. Die Ladezeiten können aber gut überbrückt werden, weil man während der Kutschenfahrt die Möglichkeit hat im Notizbuch zu schmökern und Herleitungen zu machen.

Schwierigkeit

Die Schwierigkeit bei diesem Spiel ist nicht besonders hoch, weil Sherlock Holmes selbst automatisch einige Schlüsse zieht, an die man nicht sofort denkt und man sich so wie sein Gehilfe Watson vorkommt. Den richtigen Mörder findet man immer, wenn man alles untersucht und alle Beweise gefunden hat. An jedem Ort wird angezeigt, wenn man ein gewissen Talent einsetzen muss. Die Vergrößerungsansicht bei einem Gegenstand wird automatisch verlassen, wenn man alles entdeckt hat. Hier wäre es wünschenswert gewesen, wenn man sich den Schwierigkeitsgrad aussuchen dürfte. Schwieriger ist da schon die Steuerung: Durch die Third-Person-Perspektive erscheinen manchmal Hinweise, die dann aber sofort wieder verschwinden, wenn man sich in die falsche Richtung dreht. Das Zielen und Absuchen ist mit dem Controller nicht so leicht. In Häusern mit mehreren Türen (wie zum Beispiel der Botanische Garten) würde es helfen, wenn angezeigt wird, wo die Tür hinführt, damit man sich nicht ständig verläuft.

Grafik und Sound

Die Grafik sieht gut aus, aber da die Fälle immer zur gleichen Tageszeit spielen, muss man hier auch keine besonderen Lichtverhältnisse beachten. Schlecht gelöst sind allerdings die unsichtbaren Grenzen. Gegen die stößt man, wenn man das Ende des Grundstücks erreicht. Man bemerkt sie, indem sich die Karte öffnet und dreht sich danach automatisch um 180 Grad. Das kann sehr verwirrend und störend sein. Manchmal sieht man auch andere Personen, die aber hinter einem Zaun sind, sodass man nicht mit ihnen sprechen kann. Ein schon größerer Nachteil ist die fehlende Mimik der Charaktere. So kann man leider nicht aus ihrem Gesicht lesen, ob sie lügen oder die Wahrheit sagen. Man wird automatisch vom Assistenten Watson verfolgt. Dieser steht aber kaum im Weg, sondern weicht aus, wenn man an ihm vorbei möchte. Leider kann man sich mit ihm nicht über den Fall unterhalten um Tipps bekommen.

Viele beschweren sich über die fehlende deutsche Synchronisation. Ich sehe das aber nicht so negativ, da es Untertitel gibt. Diese lenken weder vom Bild ab oder sind unlesbar, da meist nur die sprechenden Personen eingeblendet sind, noch muss man schnell lesen können, weil die Personen schön langsam sprechen. Sogar alle Dokumente wurden übersetzt, sodass es auch hier kein Problem geben sollte. Der Sound hingegen baut Spannung auf, obwohl nichts passiert. Bei all seinen Ermittlungen wird man nicht überrascht.

Fazit

andrea

Die Aufteilung des Spiels in mehrere Fälle ist eine gute Entscheidung. So kommt nie Langeweile auf und man ist sogar froh, wenn man von einem Kind ein bisschen Unterstützung bei der Recherche bekommt, denn sonst würde es noch länger dauern. Dank des Notizbuchs weiß man immer was noch alles zu tun ist und kann so kaum hängenbleiben. Die nächsten Schritte werden immer nachvollziehbar gemacht. Der Schwierigkeitsgrad ist ein bisschen zu niedrig, da man fast immer den richtigen Mörder fasst. Trotzdem fühlt man sich unsicher bei der Verhaftung und Bestrafung, da der Fall dann etwas zu abrupt endet. Deshalb gibt es auch kaum einen Wiederspielwert. Der Altersempfehlung kann ich zustimmen, da es doch etwas grauslich ist, eine Autopsie an einer Leiche durchzuführen.

PRO
  • mehrere unterschiedliche Geschichten
  • lange Durchspielzeit
  • verschiedene Talente
  • Reihenfolge der Aufgaben egal
CON
  • ungenaue Steuerung
  • sich wiederholende Aufgaben
  • längere Ladezeit
  • abruptes Ende
  • geringe Schwierigkeit
  • manchmal schnelle Reaktion gefragt

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