Review

Assassin’s Creed Syndicate

Jedem, der auch nur im Entferntesten etwas mit Videospielen zu tun hat, sagt der Name "Assassin's Creed" etwas. Kein Wunder, es ist mit neun Ablegern immerhin eine der erfolgreichsten Videospielreihen unserer Zeit. Dabei gibt es in jedem Spiel eine andere Welt, welche wir erkunden können, während wir uns mit dem auch allbekannten Gameplay gegen Soldaten der Templer zur Wehr setzen. Allerdings ist die Reihe in den letzten Jahren immer mehr in Verruf geraten. Der Vorwurf lautet, Ubisoft würde jedes Jahr einen weiteren Klon auf den Markt werfen, ohne dass sich etwas am Gameplay ändere oder sich die Entwickler allgemein Mühe geben würden. Mit "Assassin's Creed Unity" befand sich die Missgunst gegenüber der Reihe auf dem Höhepunkt. Der Spieler bekam verbuggtes Spiel mit gravierenden Leistungsfehlern und FPS-Drops, kurz gesagt ein lieblos gestalteter Klon. Was die Reihe nun brauchte, war eine große Neuerung, etwas, dass der Reihe wieder Aufschwung verleiht. Am 23. Oktober 2015 erschien der neue Ableger, "Assassin's Creed Syndicate". Doch kann das Spiel die hochen Ansprüche erfüllen, oder stirbt die Reihe endgültig?

Story

Es gibt eine Vielzahl an Missionen

In „Assassin’s Creed Syndicate“ schlüpfen wir in die Rolle von zwei Protagonisten während der zweiten industriellen Revolution im Jahr 1868 in London: Evie Frye und ihr Zwillingsbruder Jacob Frye. Dies ist bereits die erste Neuerung des Spiels. Je nach Belieben können wir jederzeit zwischen Jacob und Evie wechseln. Jacob bevorzugt eher eine gewalttätige Herangehensweise, während Evie eher auf geheime Aktionen ausgelegt ist. Dies spiegelt sich auch in deren Fähigkeiten wieder.

Die Geschwister gehören dem Assassinenorden an, und haben sich das Ziel gesetzt, einen Templer namens Crawford Starrick zu eliminieren. Dieser hat die Stadt fest im Griff: Ihm gehören ein Großteil der Industrie, er hat viele Politiker auf seine Seite gezogen und mit einer Straßenbande übt er Druck auf die Bevölkerung aus. Und er hat nur ein Ziel: Die Weltherrschaft. Dabei scheut er sich nicht,  über Leichen zu gehen und Kinder als Arbeitskraft einzusetzen. Doch er hat seine Rechnung ohne die Frye-Geschwister gemacht.

Auf dem Weg zu Starrick begegnen wir unterschiedlichsten Persönlichkeiten, wie etwa Karl Marx, der gegen die Ausbeutung der Arbeiter in Starricks Fabriken kämpft, oder Alexander Bell, der für die Meinungsfreiheit eintritt. Die Story ist dabei ziemlich linear, ohne große Überraschungen, allerdings nicht unbedingt eintönig, da die Missionen meist abwechslungsreich sind.

Eine weitere Neuerung sind die Attentatsmissionen in der Storyline. Diese erinnern etwas an die „Hitman“-reihe: Wir befinden uns in einem mehr oder weniger weitläufigen Gebiet oder Gebäude und haben das Ziel, eine bestimmte Person auszuschalten. Dabei haben wir verschiedene Möglichkeiten, unser Ziel zu erreichen. So können wir etwa die Person in einem undurchdachten Gemetzel eliminieren, wobei alle Wachen alarmiert werden. Oder wir können uns als Leiche tarnen und die Zielperson anschließend aus der Nähe ausschalten. Auch wenn das System noch nicht ganz ausgereift ist, ist es dennoch ein interessanter Ansatz, da frühere Ableger kaum heimliches und taktisches Vorgehen forderten, und das trotz des Wortes „Assassin“ im Namen des Spiels.

Vorbesteller erhielten noch das DLC „The Darwin and Dickens Conspiracy“. Dieses fügt dem Spiel 14 zusätzliche Missionen hinzu, welche etwa drei Stunden Spielzeit füllen. Als Belohnungen erhält man noch einige Gegenstände. Grundsätzlich hat das DLC ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Interaktive Welt

Die Spielwelt ist dynamisch

Beim Spielen merkt man gleich, dass sich Ubisoft dieses Mal mehr auf eine interaktive und interessante Spielwelt konzentriert hat. Sie ist zwar nicht besonders groß, allerdings ist sie vollgepackt mit Aufgaben und interaktiven Elementen. So müssen wir zum Beispiel für unsere Straßengang Gebiete erobern. Dies erreichen wir, indem wir für jedes Gebiet eine bestimmte Aufgabe erfüllen, welche zum Beispiel darin besteht, Kinder aus Fabriken zu befreien oder einen hochrangigen Templer zu eliminieren. Dabei haben die Gebiete und die Gegner in diesen je ein bestimmtes Level.

Auch eine große Neuerung ist das Vorhandensein von sich bewegenden Zügen, Schiffen und Kutschen, wobei wir Letztere selbst steuern können. Dies bringt zwei Vorteile: Erstens wirkt die Spielwelt viel lebendiger wenn alle Strassen durch Kutschen gefüllt sind. Zweitens kann man sich in der Spielwelt schneller fortbewegen, und währenddessen auch die Umgebung betrachten. Wir besitzen auch einen eigenen Zug als Hauptquartier. In diesem können wir unter anderem Missionen annehmen, mit Personen sprechen und Gangupgrades kaufen. Letztere stellen eine zusätzliche Verbesserungsmöglichkeit dar. So können wir zum Beispiel unsere Kutschen verstärken oder die Anzahl an Gangmitgliedern erhöhen, welche wir rekrutieren können, um uns im Kampf  zu unterstützen. Daneben gibt es noch weitere Aufgaben wie Überfälle auf Züge, Schiffe und Kutschen.

Gameplay

Der Enterhaken bietet viele Einsatzmöglichkeiten

Auf die Kritik, das Gameplay von „Assassin’s Creed“ würde sich nie ändern, hat Ubisoft mehrere Neuerungen in diesem eingeführt. Die erste findet man bei der Bewegung, besonders beim Klettern. Während wir in den früheren Ablegern lediglich die Sprinttaste drücken mussten, um nach oben oder unten zu klettern, so müssen wir nun zusätzlich „E“ drücken, um nach unten zu klettern, oder „Space“, um nach oben zu klettern. Dies ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, doch fühlt sich das Klettern nach einer kurzen Zeit viel authentischer und anspruchsvoller an. Und falls wir mal keine Lust haben, eine Wand hochzuklettern, können wir auch den Enterhaken einsetzen, eine weitere Neuerung. Mit diesem können wir nicht nur schnell hohe Ziele erklimmen, sondern er fungiert auch als Seilrutsche, um von einem höheren Gebäude auf ein niedrigeres zu gelangen. Dies steuert dem Spielfluss beim Klettern zusätzlich bei. Außerdem ist er für die Ausführung von Luftattacken hilfreich. Eine weitere Neuerung ist das Umschalten zwischen gehen und schleichen. Wenn wir schleichen sind wir schwerer zu entdecken und wir verursachen weniger Lärm.

Der Kampf ist um einiges schwieriger als in den Vorgängern

Das Kämpfen, das wohl wichtigste Element des Spiels, ist im Grundsatz unverändert. Wir können angreifen, kontern und die Verteidigung durchbrechen. Allerdings ist das Kämpfen um einiges schwerer geworden. Während man in den früheren Ablegern ohne Probleme gegen 20 Gegner antreten konnte, bereiten einem in „Syndicate“ bereits sechs Probleme. Dies liegt einerseits daran, dass es weniger Treffer braucht bis der Spieler stirbt, andererseits erfolgen die Angriffe der Gegner in kürzeren Zeitabständen, was bessere Reaktionszeiten erfordert. Zusätzlich beschießen uns Gegner während den Auseinandersetzungen mit Pistolen und wir müssen dabei mit Druck der „F“-Taste ausweichen. Für den Kampf stehen uns wieder Gebrauchsgegenstände wie Rauchbomben, Giftpfeile und eine Pistole zur Verfügung.

Uns stehen wieder verschiedene Gebrauchsgegenstände zur Verfügung

Erledigen wir Missionen und Überfälle, bekommen wir Materialien und Geld, mit welchen wir Kleidung, Waffen und Pistolen kaufen und diese verbessern können. Außerdem können wir Upgrades kaufen, durch welche wir mehr Kapazität für Verbrauchsgegenstände erhalten.

Während des Spielens erhalten wir immer wieder Erfahrungspunkte, mit welchen wir Fähigkeiten für unsere beiden Hauptcharaktere freischalten können. Dabei haben beide getrennte Fähigkeitsbäume mit individuellen Fähigkeiten. Evies Fähigkeiten sind mehr auf heimliche Aktionen und Meuchelmorde ausgelegt, während Jacobs Fähigkeiten seine Kampffähigkeiten verbessern.

Wenn wir Fähigkeiten freischalten, steigen wir im Level auf. Dabei haben die Gegner auch ein Level, welches deren Schwierigkeitsgrad widerspiegelt. So ist es zum Beispiel extrem schwer, mit Level 2 ein Gebiet voller Level 6 Gegner zu erobern.

Leider gibt es im neuen „Assassin’s Creed“ auch Microtransactions, mit welchen wir Spielgeld, Gegenstände, Erfahrung und Materialien kaufen können. Des weiteren können wir die Fundorte aller Kisten und geheime Orte offenbaren. Allerdings ist fast alles auch erspielbar, ohne echtes Geld auszugeben.

Performance und Grafik

Im Gegensatz zum „Bug-Desaster“ Unity finden sich in „Syndicate“ nur selten Bugs. Auch läuft das Spiel flüssig und FPS-Drops treten so gut wie nie auf. Die Grafik an sich ist nichts Besonderes, allerdings ist sie völlig in Ordnung. Die Charakter sind schön modelliert, die Texturen sind annehmbar. Zu bemängeln wäre eventuell, das Objekte nur auf teils kurze Distanzen gerendert werden, weshalb von hohen Gebäuden aus alle Straßen leer sind.

Fazit

simon

Ubisoft hat mit "Assassin's Creed" gezeigt, dass ein Spielentwickler fähig ist, durch Neuerungen eine tot geglaubte Reihe wieder zum Leben zu erwecken. So erleichtern die Kutschen, Züge und Schiffe das Erkunden der Spielwelt und hauchen ihr zusätzliches Leben ein. Auch das Klettern und das Kämpfen wurde erneuert, wodurch das Spiel anspruchsvoller und weniger monoton wird. Mit den Attentatsmissionen wird dem Wort "Assassin" eine richtige Bedeutung verliehen.

PRO
  • Anspruchsvoller Kampf
  • Authentisches Klettern
  • Attentatsmissionen
  • Kutschen, Züge und Schiffe als Fortbewegungs- und Gestaltungsmittel
  • Vielfältige Missionen
  • Enterhaken
  • Charakter können nach Spielstil ausgewählt werden
CON
  • Erwartbare, einfallslose Storyline
  • Kurze Renderdistanz
  • Kleinere Karte als in den Vorgängern
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